Wie bist du, als heutige Tänzerin und Leiterin eines Tanzstudios, zum Orientalischen Tanz gekommen?

Kannst du dich kurz vorstellen?  Wie ist dein Name und was bedeutet er? 

Mein Künstlername ist “Bambi Sahab”. Jedoch lautet mein bürgerlicher Name weder „Bambi“ noch „Sahab“, sondern Antje Kerstin. Ich habe relativ früh den Spitznamen „Bambi“ bekommen und als ich nach einem geeigneten Künstlernamen suchte, habe ich „Sahab“ sozusagen als “Nachnamen” hinten angehängt. Im  ägyptischen Dialekt steht „Bambi“ für die Farbe Pink und das arabische Wort „Sahab“ bedeutet übersetzt „Wolken“. So bedeutet mein Name sinngemäß „wie auf rosaroten Wolken“.

Unter dem Künstlernamen „Bambi Sahab“ betreibe ich ein Tanzstudio, das “TARAB, Zentrum für Orientalischen Tanz” in Heidelberg, welches dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Meiner Leidenschaft für den Orientalischen Tanz bin ich 1989 verfallen.

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Foto: F. Dürrschmied (cam_for_arts)

Den ersten Schritt als Tänzerin wagen: Als junge Mutter durch den Unterricht einer herzlichen und kompetenten Dozentin ermutigt…

Ich habe schon immer sehr gerne getanzt, schon als Kind und später umso mehr als Jugendliche. Es war so eine Freude am körperlichen Ausdruck meiner inneren Bewegung, so eine Lust, Musik sichtbar zu machen. Es kam aber nie dazu, dass ich damals Tanzunterricht besucht habe. Erst später, als junge Erwachsene – nachdem ich bereits meine Tochter zur Welt gebracht hatte und das Gefühl hatte, dass ich mir selbst etwas Gutes tun muss – habe ich angefangen, Unterricht zu nehmen. Ich war auf der Suche nach etwas, das mich stärkt, das gut ist für meine Seele. Ich wusste, ich brauche einen Ausgleich zum Alltag, um meinem Kind eine gute Mutter sein zu können. Meine Tanzleidenschaft mehr zu leben, “richtig” Tanzen zu lernen, war ein großer Wunsch von mir.

Im für eine Tänzerin “fortgeschrittenen Alter” von 21 Jahren habe ich mich in der Tanzlandschaft umgesehen nach einem Stil, mit dem ich – auch ohne tänzerische Vorkenntnisse aus der Kindheit – beginnen könnte. Ich wollte nicht nur so einfach vor mich hin tanzen, sondern etwas Konkretes lernen und hatte vage Vorstellungen, „etwas daraus zu machen“. Zu diesem Zeitpunkt waren das noch keine beruflichen Pläne, nur innige Sehnsüchte, mich tänzerisch zu entwickeln. Ich habe verschiedene Tanzrichtungen ausprobiert, z.B. Indischen Tanz …  (Meinst du Bollywood?). Nein, von „Bollywood“ war in der Tanzlandschaft in den späten achtziger Jahren überhaupt noch keine Rede. Angeboten wurden damals Afrikanischer Tanz, Flamenco, auch Klassische Indische Tanzstile, wie z.B. Bharatnatyam. Das waren so die Ethno-Tänze, die man damals erlernen konnte – und eben auch Orientalischen Tanz, landläufig als “Bauchtanz” bezeichnet.

„Weiblichkeit und Lebensfreude, Anmut und Sinnlichkeit“ – was im Kursprogramm einer Volkshochschule über den Orientalischen Tanz stand, hat mich damals direkt angesprochen. So habe ich mich einfach mal angemeldet und man kann sagen, es war ,,Liebe auf den ersten Hüftschwung”! Ehrlich gesagt war es keineswegs so, dass ich diesen Tanz “sofort konnte” oder dass ich besonders talentiert dafür gewesen bin – überhaupt nicht! Ganz im Gegenteil, ich hatte am Anfang eher den Eindruck, es kommen große Herausforderungen auf mich zu. Aber dennoch hatte ich gleichzeitig das Gefühl, dass dies die Tanzbewegungen sind, die mein Körper schon immer machen wollte.

Ich hatte das Glück, eine sehr symphatische und kompetente Dozentin erwischt zu haben, ihr Name ist Mitra Mir Emadi. Bei ihr habe ich die Grundlagen des Orientalischen Tanzes anderthalb Jahre lang gelernt.  Letztlich hat ihr Unterricht dafür gesorgt, dass ich der Liebe zum Orientalischen Tanz bis heute treu geblieben bin. Mitra ist übrigens ihr bürgerlicher Name, sie kam als Tochter einer Deutschen und eines Iraners zur Welt und unterrichtete über die Volkshochschule in Mannheim. Mitra ist nur wenige Jahre älter als ich und so konnte ich mich gut mit ihr identifizieren. Sehr liebevoll und herzlich im Unterricht, trug sie auch zu meinem Verständnis dafür bei, dass so eine gewisse „Wärme“ als Dozentin – damit die Schülerinnen sich im Unterricht wohlfühlen und leichter etwas lernen können – mit der technischen und fachlichen Kompetenz einher gehen muss. Später ist Mitra weggezogen und ich habe zwei Jahre keinen Unterricht mehr genommen.

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Foto: E. Klatt

Auf der Suche nach einer neuen, guten Tanzlehrerin, wurde ich auf einmal selbst darauf angesprochen, zu unterrichten…

Nachdem Mitra weggezogen war, habe ich vergeblich nach einer neuen Tanzdozentin gesucht und viele sehr enttäuschende Unterrichtsstunden erlebt. Sowohl von der Vermittlung der Tanztechnik, als auch von ihren Persönlichkeiten her haben mich viele Lehrerinnen für Orientalischen Tanz, die ich ausprobiert habe, nicht überzeugt. So habe ich fürs erste für mich alleine weitergetanzt.

Irgendwann habe ich eine Frau kennengelernt, der ich von meiner Liebe zum Orientalischen Tanz erzählt habe und die spontan sagte: „Ach, das wollte ich schon immer mal machen. Hättest du nicht Lust, zu unterrichten?“ Meine Antwort war damals wohl ungefähr diese: „Moment mal! Ich bin ja gar keine Lehrerin und habe auch schon länger keinen Unterricht besucht.“ Sie aber meinte nur: „Komm, lass es uns doch zum Spaß einfach mal probieren.“ So habe ich angefangen selbst zu unterrichten. Schnell war es eine kleine Gruppe von 5 Frauen, die Unterricht in Orientalischem Tanz bei mir nehmen wollten und wir hatten viel Freude an unseren Tanzstunden. Gleichzeitig realisierte ich, dass, wenn ich eine gute Dozentin sein möchte, ich auch selbst unbedingt wieder Unterricht nehmen muss. Also habe ich meine Suche nach Orientalischen Tänzerinnen heftiger denn je betrieben und bin damals im Unterricht von Sigrid Brenner an der Volkshochschule Heidelberg gelandet, die mich durch ihr reiches Hintergrundwissen und ihre ungekünstelte, fröhliche Art beeindruckt hat.

Die Liebe zum authentischen ägyptischen Tanz auf Tanz-Kongressen entdecken!

Sigrid Brenner hat damals, 1994, den Bundesverband Orientalischer Tanz (BVOT) gegründet – eine überregionale Vereinigung von Tänzerinnen, die sich alle auf Orientalischen Tanz spezialisiert haben. Wir haben uns anfangs zweimal im Jahr zu sogenannten „Kongressen“ zusammengefunden. Dort haben wir Tänzerinnen uns über “unseren” Tanz ausgetauscht und man konnte Workshops mit vielen verschiedenen Dozentinnen aus dem In- und Ausland besuchen. Durch diese Zusammenkünfte bekam ich einen Gesamtüberblick über alle Orientalischen Tanzstile, die damals verbreitet waren. Sogar sehr seltene Tanzstile, die man wirklich wie die Stecknadel im Heuhaufen suchen muss, konnte ich ausprobieren und so letztlich die für mich stimmigen Tanzrichtungen finden.

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Foto: A. Block

Damals bin ich meiner Liebe zum ägyptischen Tanzstil, insbesondere dem „Baladi“ verfallen. „Baladi“ ist die urbanisierte Folklore Ägyptens, also das, was sich unter dem Einfluss der Stadt Kairo aus den volkstümlichen Tanzstilen entwickelt hat. Somit gilt „Baladi“ heute als „Mutter des modernen Orientalischen Tanzes“ und ist die Grundlage, um „Raks Sharki“, den klassischen Orientalischen Tanz, verstehen zu können. Auf einem der Kongresse des Bundesverband Orientalischer Tanz begegnete ich „Reyhan Seward“ aus Frankfurt, die mir als Tänzerin dadurch aufgefallen ist, dass sie sehr authentisch Ägyptisch-Orientalisch unterrichtete. Sie selbst hatte hauptsächlich in Ägypten, dem Geburtsland des modernen Orientalischen Tanzes, gelernt und recherchiert und unterrichtete auf hohem Niveau mit fundiertem Hintergrundwissen. Ich besuchte regelmässig den Unterricht in ihrer Tanzschule „Studio Orienta“ in Frankfurt. Sie war mit Abstand diejenige, die mich als Tänzerin am meisten geprägt hat.

Auf den BVOT-Kongressen hatte ich zu unterscheiden gelernt zwischen den vielen Fantasy-Stilen (also den Vorstellungen westlicher Tänzerinnen vom Orientalischen Tanz) und dem, was man in den Herkunftsländern als Raks Sharki, Orientalischen Tanz, bezeichnet und den entsprechenden folkloristischen Tänzen.  Meine Folgerung war, dass, bevor man etwas variieren und fusionieren kann, man erst einmal zu den Wurzeln zurückkehren muss. Dass es notwendig ist, zu schauen, wo der Orientalische Tanz seinen Ursprung hat, aus welche(n) Kultur(en) er stammt, warum er getanzt wird, wie er sich dort weiterentwickelt hat, was die ursprünglichen Bewegungen und ihr authentischer Ausdruck sind.

So bin ich durch viele unterschiedliche Eindrücke und Erfahrungen zur Dozentin für Orientalischen Tanz gereift. Ich habe sehr viel Unterricht genommen, viele unterschiedliche Persönlichkeiten kennengelernt und somit ganz verschiedene Arten, diesen Tanz zu interpretieren und anderen Frauen zu vermitteln.

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Foto: J. Heinzmann

Ein Rat an Frauen, auf der Suche nach einer geeigneten Tanzdozentin für Orientalischen Tanz: 

Es gibt heute eine große Orientalische Tanzszene, was man erst dann erfährt, wenn man sich mit diesem Tanz zu beschäftigen beginnt. Wir haben – in Deutschland und weltweit – tolle Festivals mit Stars und Sternchen. Das ist eine wunderbare Entwicklung dem Tanz zu mehr Akzeptanz als ernstzunehmende Kunstform zu verhelfen. Ich muss aber – nachdem ich mich schon Jahrzehnte in diesem Umfeld bewege – ehrlich sagen, dass sich “die Szene” für mich in den letzten zehn Jahren bedauerlicherweise eher ins Negative entwickelt hat. So sehe ich immer mehr Tänzerinnen, die ganz eindeutig operiert sind, die z.B. ihre Brüste haben vergrößern lassen, die Manipulationen am Gesicht haben vornehmen lassen usw.  Sicher ist das ein weltweiter Trend, nicht nur in der Orientalischen Tanzszene und eine persönliche Entscheidung jeder einzelnen Frau. Aber gerade was Orientalische Tänzerinnen anbelangt, macht es mich richtig traurig. Denn es ist meist nicht notwendig und suggeriert ein Bild vom Orientalischen Tanz, das nicht gesund für das Selbstbild von Frauen ist. Mit einher geht ein „immer höher, immer schneller, immer weiter“, so eine Entwicklung, tänzerisch hauptsächlich durch technische Finessen und dramatische Effekte beeindrucken zu wollen. Wobei für meinen Geschmack häufig der persönliche Ausdruck, Musikalität und Gefühl vernachlässigt werden und viele Tänzerinnen sich – nicht nur wegen der Operationen – auffallend gleichen. Deswegen wollte ich allen, die sich für Orientalischen Tanz interessieren, etwas Wichtiges mit auf den Weg geben:

Schaut Euch genau an, wer Orientalischen Tanz unterrichtet und wie der Tanz vermittelt wird. Eine gute Lehrerin sollte authentisch im Ausdruck sein, Weiblichkeit und Wärme auf ungekünstelte Art ausstrahlen und selbstverständlich über fundierte Tanztechnik und Hintergrundwissen verfügen. Wenn dies der Fall ist, kann sie sehr förderlich für eine Frau auf ihrem individuellen Tanz-Weg sein, der auch immer ein Weg nach innen, also ein psychischer Weg ist. Es gibt heute sehr viele Tänzerinnen und Dozentinnen. Wählt genau aus und schaut euch an, zu wem ihr passt und wem ihr Euch anvertrauen wollt, um am Ausdruck Eurer Weiblichkeit zu arbeiten. Gebt auf keinem Fall nach den ersten drei Versuchen auf, sondern probiert es weiter, bis ihr jemanden findet, der wirklich zu euch passt und der liebevoll zu Eurer Entwicklung beiträgt.

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Photo by Anthony on Pexels.com

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One thought on ““Die getanzte Freude, eine Frau zu sein!” – Interview mit Bambi Sahab (Teil I) : Wie alles anfing…

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